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16.07.2015

DAG SHG kritisiert Umwandlung der Unabhängigen Patientenberatung

Entscheidung für Callcenter stößt auf Unverständnis

Der Entschluss zur Umwandlung der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) in ein bundesweites Callcenter ist auf heftige Kritik gestoßen. Prof. Dr. Raimund Geene (DAG SHG) äußerte sich gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats der UPD, Prof. Marie-Luise Dierks (MH Hannover), Prof. Rolf Rosenbrock (Der Paritätische Gesamtverband) und Prof. Dr. Ullrich Bauer (Universität Bielefeld) entsetzt über die "völlig unverständliche Entscheidung, die erfolgreiche Arbeit der UPD zu beenden". Die Vergabe an das Callcenter-Unternehmen Sanvartis entspreche in keiner Weise den Kriterien für eine Unabhängigkeit und Neutralität in der Patientenberatung, erklärten sie.

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen (DAG SHG) e.V. wandte sich in einem Protestschreiben an den Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann. Darin fordern sie ihn auf, das Vertrauen in eine dezentrale Beratung nicht preis zu geben und von der Umwandlung der Unabhängigen Patientenberatung in ein bundesweit agierendes und interessengeleitetes Call-Center Abstand zu nehmen.

Der GKV-Spitzenverband und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung hatten Anfang Juli 2015 bekannt gegeben, dass die Patientenberatung ab 2016 von Sanvartis übernommen werde. Die Entscheidung für das Callcenter-Unternehmen bedeutet, dass die UPD in ihrer jetzigen Struktur mit mehr als 20 Beratungsstellen und bundesweiten Informationsangeboten aufgelöst wird.

Die Mitglieder des UPD-Beirats zeigten sich besonders enttäuscht über die Rolle des Patientenbeauftragten Laumann bei der Entscheidung. "Statt als Vorsitzender des Beirats die Erfolge im Aufbau der unabhängigen und neutralen Patientenberatung zu sichern, polemisiere er seit einigen Monaten gegen die UPD mit dem nunmehr offensichtlich gewordenen Ziel der Umwandlung der unabhängigen und neutralen Patientenberatung in ein kassennahes Call-Center.“ Die Kritik von Ärztekammerpräsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, nach der die Kassen versuchen, „sich die Beratungsstelle unter den Nagel zu reißen“, sei verständlich. Schon seit Jahren seien im Beirat Versuche der Vereinnahmung der Patientenberatung durch die GKV kritisiert worden.

Dieser Kritik schließen sich auch zahlreiche Patienten- und Selbsthilfevertreter/innen an. Die Patientenbeauftragten aus Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen sowie weitere Akteure im Gesundheitswesen hatten scharf protestiert. Auf der Online-Plattform change.org wurde eine Petition gegen die Auflösung der UPD gestartet, die mittlerweile rund 3.000 Unterzeichner/innen hat.

Die UPD berät im gesetzlichen Auftrag – finanziert durch die gesetzlichen Krankenkassen - rund um das Thema Gesundheit – bei rechtlichen und medizinischen Fragen sowie bei psychosozialen Problemen im Umgang mit Krankheiten. Das Angebot ist bislang kostenfrei, neutral und unabhängig. Träger ist ein Konsortium aus Sozialverband VdK, Verband Unabhängiger Patientenberatung und Verbraucherzentrale Bundesverband. Der Vertrag läuft Ende des Jahres 2015 aus und wurde deswegen neu ausgeschrieben.

Kontakt:
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V.
Verwaltung
Otto-Suhr-Allee 115
10585 Berlin-Charlottenburg
E-Mail: verwaltung@dag-shg.de

Weitere Informationen:

"Bewahren Sie die Unabhängigkeit der Patientenberatung Deutschlands (UPD)"
Petition auf der Online-Plattform change.org

Aus für unabhängige Patientenberatung?
Kobinet Nachrichten vom 11. Juli 2015

Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)
Entsetzen im wissenschaftlichen Beirat über Vergabeentscheidung

Pressemitteilung des Paritätischen Gesamtverbandes vom 10. Juli 2015

Montgomery: „Patientenberatung darf nicht zu einem kassennahen Call-Center werden“
Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 1. Juli 2015