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08.01.2016

UPD: Unternehmen Sanvartis hat Beratung übernommen

Weiterhin Kritik an neuer Trägerschaft

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet seit Anfang des Jahres unter der Trägerschaft der Sanvartis GmbH ihr Beratungsangebot an. Eigenen Angaben zufolge wurde dafür in Berlin ein neues Beratungszentrum eingerichtet, in dem künftig rund 100 geschulte Expert/innen − wie Rechtsanwälte, Ärzte, medizinische Fachkräfte oder Sozialversicherungsfachangestellte − per Telefon oder E-Mail Ratsuchenden zur Verfügung stehen sollen. Die Vergabe der UPD an ein privates Callcenter-Unternehmen stößt allerdings weiterhin auf massive Kritik.

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Professor Frank Ulrich Montgomery, sieht bei der neuen UPD Interessenkonflikte aufziehen. "Das neue Unternehmen mag vielleicht ein gutes Call-Center betreiben, ist aber nicht unabhängig von Krankenkassen und Pharmaunternehmen", sagte Montgomery in den Tagesthemen der ARD. Ein Marketing-Unternehmen sei nicht das Richtige, um Patienteninteressen durchzusetzen. Dagegen betonte die Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, einem Bericht der Ärzte Zeitung zufolge, dass sich Sanvartis verpflichtet habe, keinerlei Einfluss auf die Beratungen zu nehmen.

Aus der Antwort der Regierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen geht laut Ärzte Zeitung allerdings auch hervor, dass es sehr wohl Verbindungen zwischen Sanvartis und der Patientenberatung gibt: So sollen Mitarbeiter der Sanvartis GmbH als "Überlaufteam" Beratungsspitzen abdecken helfen. Auch eine Datenbank soll vom Mutterunternehmen bereit gestellt werden. Bis April wolle Sanvartis weitere "Beratungskanäle" öffnen, vor allem die persönliche Vor-Ort-Beratung und die in Ausnahmefällen vorgesehene Beratung zu Hause, heißt es in der Regierungsantwort.

Die Sanvartis GmbH betreibt Call-Center und telemedizinische Dienste in Zusammenarbeit mit Krankenkassen, aber auch mit Kliniken und niedergelassenen Ärzten. Das Unternehmen hatte die europaweite Ausschreibung der UPD gegen die bisherigen Betreiber, der Sozialverband VdK, der Bundesverband Verbraucherzentrale und der Verbund Unabhängige Patientenberatung gewonnen. Die Pläne zur Umwandlung der UPD waren vom Beirat der UPD sowie von zahlreichen Patienten- und Selbsthilfevertreter/innen heftig kritisiert worden. Eine von einer Privatperson im Internet gestartete Online-Petition auf der Plattform change.org hatte mehr als 21.000 Unterzeichner. Mit der Vergabe an ein privates Callcenter werde der Grundsatz der Unabhängigkeit und Neutralität verletzt, hieß es unter anderem.

Für die Patientenberatung stehen in den kommenden sieben Jahren rund 63 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel ist eine Verdreifachung der Beratungen auf rund 220.000 Patientenkontakte im Jahr.

Quellen:

Bei Ärzten: Patientenberatung stößt weiter auf Kritik
Ärzte Zeitung vom 07.01.2016

Änderung bei unabhängiger Patientenberatung: Argwohn über privaten Anbieter
tagesschau.de vom 29.12.2016

Die neue UPD ist nicht die Alte!
www.fuer-unabhaengige-patientenberatung.de, Kommentar vom 07.01.2015

"Bewahren Sie die Unabhängigkeit der Patientenberatung Deutschlands (UPD)"
Online-Petition auf www.change.org

Der Paritätische Gesamtverband, Mitteilung vom 07.01.2015